Stolz auf Österreich?

Mit dem Patriotismus ist das so eine Sache: Oftmals als dumpfer Chauvinismus missverstanden, erschöpft er sich vielfach im Verteidigen regionaler Eigenheiten bei Wirtshausgesprächen, im Schreiben erboster Leserbriefe an die Kronen Zeitung oder im Schwenken von Stiegl-Fahnen im Stadion, jeweils unter Zuhilfenahme hochprozentiger Unterstützung. Österreicher haben generell eine zwiespältige Einstellung zu ihrer Nation, eine Mischung aus Minderwertigkeitskomplex, Sehnsucht nach Anerkennung im Ausland und Unsicherheit, was denn überhaupt das typisch Österreichische ist, das uns ausmacht.

 

Darauf beruht auch jener ganz spezielle Österreich-Stolz, den Krone und FP vorgaukeln, um darin ihre xenophoben Parolen zu verstecken. Stets muss Österreich vor irgendwas geschützt werden - was genau, wird natürlich nicht gesagt: Da soll sich jeder das herauspicken, was schützenswert scheint: Christentum, das Recht auf Gartenzwerge im Schrebergarten, Demokratie, Tschicken beim Heurigen - irgendwas ist für jeden dabei. Und wenn dann noch ein Skistar Weltmeister wird oder "unser" Nationalteam gewinnt, ist alles paletti.

 

Mir selbst ist diese Art von Nationalstolz peinlich. Ich will nicht auf Klischees stolz sein und schon gar nicht auf das, was mir irgendwelche Leute in Redaktionen als Österreich verkaufen. Ich will auf etwas stolz sein, mit dem ich mich identifzieren kann - zum Beispiel auf ein Land, in dem Werte zählen, die mir selbst wichtig sind: Gleiches Recht für alle, freie Meinungsäußerung, Menschlichkeit, Gewaltfreiheit, Offenheit.

 

Die letzten Tage (Stichwort: Refugees Welcome!) haben gezeigt, dass es ein typisches Österreich - und damit eine Art Nationalstolz - jenseits oberflächlicher Rot-Weiß-Rot-Seligkeit geben kann. Das Schöne daran ist, dass es vor allem Jüngere sind, die das ausgelöst haben und unterstützen. Als Kind der späten 60er-Jahre konnte man bisweilen verzweifeln an der Dumpfheit und Rückständigkeit in diesem Land, an dieser Aggressivität, die kaum zugedeckt wurde vom wirtschaftlichen Aufschwung. Klar, das gibt es noch immer, zum Beispiel in Zeitungsforen oder Facebook-Postings und vermutlich auch in so manchen Wahlergebnissen. Aber das ist nicht das Österreich, auf das wir nun zu Recht stolz sein können.

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